Herzkonfetti

Polyamorie, Dreiecksbeziehung, offene Beziehung, swingen… Was denn nun?

Gastbeitrag von Mai Nguyen • diepersoenlichkeitsentdeckerinzur Homepage

Es gibt Fragen, auf die kann man sehr leicht mit Ja oder Nein antworten. Mit 16 dachte ich, dass „Bist du Single?“ eine dieser Fragen ist. Heute kann ich über diesen Gedankengang nur noch schmunzeln. Heute, 11 Jahre später, sieht meine Welt und meine Art von Beziehung ganz, ganz anders aus.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, was ich damit meine. Also lassen wir uns doch diese nette Smalltalk-Frage nutzen, um loszulegen.

„Bist du Single, Mai?“
Nein, ich bin in einer Beziehung. Genau genommen bin ich sogar in 2 Beziehungen. Ich bin seit 2 Jahren glücklich mit meinem Freund zusammen und seit einem halben Jahr bin ich nun auch mit meiner Freundin zusammen. Die beiden haben etwas Zeit gebraucht, um sich zu beschnuppern, sind nun aber auch in ihrer eigenen Form der Beziehung.

„Also lebst du in einer Dreiecksbeziehung?“
Jein. Manche Menschen mögen uns vielleicht als Dreiecksbeziehung bezeichnen, weil unsere Art zu leben sonst in keine andere ihrer Schubladen passen würde, aber so sehen wir uns nicht. Das Bild eines Dreiecks ist für uns zu starr. Wir bezeichnen uns als polyamor – kurz auch einfach poly.

„Ist Polyamorie das gleiche wie Polygamie…?“
Ohje, jetzt muss ich ausholen. Polygamie ist ein relativ bekannter Begriff, also fange ich mal damit an. Polygamie bezeichnet ein Lebensmodell, in dem man mit mehr als einem Menschen verheiratet ist. Das ist in vielen Ländern – auch in Deutschland – tatsächlich sogar verboten.
Das Wort Polyamorie hingegen ist ein sehr neues Kunstwort, das ca. 1990 aufgekommen ist. Es lässt sich mit viele liebend übersetzen. Dabei umfasst es sehr, sehr viele verschiedene Lebensentwürfe. Menschen, die sich als poly bezeichnen, können mehrere feste Beziehungen haben oder eine Hauptbeziehung und eine bis mehrere Nebenbeziehungen.
Oder wie bei mir und meinen Liebsten: Wir haben jeweils 2 gleichwertige Beziehungen miteinander. Also prinzipiell deckt das Wort alles ab, was von der konventionellen Monogamie abweicht.

„Also habt ihr eine offene Beziehung!“
Haha, noch einer dieser Begriffe! Eine offene Beziehung bedeutet im Prinzip erstmal nur, dass die Partner*innen der Beziehung sich dazu entschlossen haben, ihre Beziehung sexuell auch für andere Menschen zu öffnen. Und dabei gibt es ganz unterschiedliche Arten von offenen Beziehungen, denn die Spielregeln legt das Paar (oder Triple…) selber fest.
Bei manchen ist die Beziehung dann komplett offen. Jede*r kann machen, was er*sie möchte. Manche öffnen ihre Beziehung, wenn sie voneinander getrennt sind, z.B. bei Auslandssemestern oder Geschäftsreisen. Manche haben auch ein Veto-Recht. Sodass ich sagen kann, dass ich es nicht möchte, wenn mein Freund z.B. mit meiner besten Freundin schlafen möchte. Manche tauschen sich nach solchen Nächten total im Detail aus, manche reden darüber gar nicht. Ich sag ja, es gibt alles. ;)
Achja und um zur Anfangsfrage zurückzukommen. Ja, wir haben eine offene poly Beziehung. Das kommt ganz einfach daher, dass mein Freund und ich seit Beginn unserer Beziehung eine offene Beziehung hatten. Und über einen Bekannten dann meine Freundin kennengelernt haben. Wir haben uns ziemlich schnell ineinander verschossen. Wir wussten, das ist mehr als nur ein bisschen heißer Sex. Also haben wir kurzerhand zu dritt beschlossen, dass wir es mit einer polyamoren Beziehung probieren wollen.

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„Puh, also bedeutet Polyamorie gleich offen?“
Nein. Es gibt poly Beziehungen, die ganz klar geschlossen sind. Diese haben nur untereinander Sex und wenn sie entgegen der getroffenen Absprachen sexuell mit anderen Menschen interagieren, dann gehen sie fremd.
Es gibt übrigens auch klassische monogame Paare, die die Beziehung z.B. nur für einen Swingerclub-Abend öffnen. Diese Paare nennt man dann Swinger.

„Oh wow, was für ein vielfältiges Thema! Kannst du kurz zusammenfassen, was für dich polyamore Beziehungen ausmachen?“
Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Dadurch, dass es den Begriff selber erst so kurz gibt und er auch noch so ein breites Spektrum beinhaltet, lässt sich darüber noch gar nicht so viel finden. Und ehrlich gesagt, habe ich auch erst angefangen, mich mit dem Thema so richtig auseinanderzusetzen, als ich (ungeplant) in dieser Konstellation gelandet bin, haha. Ich habe eine Zeit lang alles verschlungen, was ich zu diesem Thema finden konnte.

Grundsätzlich kann man sagen, dass polyamore Beziehungen 4 Eigenschaften gemeinsam haben:

1. Es geht um Ehrlichkeit & Transparenz. Es geht nicht darum, den Partner zu betrügen, sondern darum, offen und ehrlich zu sich selber und zum*zur Partner*in zu sein.
2. Es geht um Gleichberechtigung & Konsens. Es geht nicht darum, Macht übereinander auszuüben oder darauf zu pochen, dass es doch aber mal so vereinbart wurde, wenn es dem*der Partner*in mit einer bereits getroffenen Vereinbarung nicht gut geht.
3. Es geht um erotische Liebe mit mehr als einer Person über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Es ist mehr als nur Freundschaft Plus. Es ist Liebe und Zuneigung mehreren Personen gegenüber.
4. Es geht um eine langfristige Orientierung. Es geht nicht darum, mal eben in den Swinger-Club zu fahren oder sich ab und zu mit jemandem zu treffen. Man bindet sich langfristig – nur eben an mehrere Menschen. ;)

So, das war mein kurzer Abriss zum Thema Polyamorie mit einem Einblick in meine persönliche Beziehung. Wenn du mehr von mir hören oder über mich erfahren möchtest, dann schau doch mal auf meinem Instagram-Account oder meiner Webseite vorbei. Ich bin Mai, die PersönlichkeitsEntdeckerin, ich helfe Frauen dabei, in ihre Kraft zu kommen – Beziehung und Sexualität sind oft ein wichtiger Bestandteil meiner Coachings. (Mein Freund meinte, ich sollte erwähnen, dass ich auch Frauen in klassischen Beziehungen coache - nicht nur in poly Beziehungen :D)

Ich hoffe, mein Gastbeitrag hat deinen Wissensdurst stillen können. Ich freue mich über Feedback und Fragen. ;)
Deine Mai

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