Junger Mann isst Burger

Binge Eating – Wenn Essen die innere Leere füllt – Teil 2

Gastbeitrag von Friederike Wendlandt • lebenaufumwegenzum Buch

Die Fortsetzung des Artikels Binge Eating – Wenn Essen die innere Leere füllt – Teil 1

Nach weiteren stationären Therapien schaffte sie es dann durch den Aufenthalt in einer WG für Essgestörte in München, den Teufelskreis aus Hungern und Essattacken zu durchbrechen. Ein halbes Jahr lebte sie mit Bewohnern zusammen, die, wie sie, unter Binge Eating, Bulimie oder Anorexie litten.
Sie schätzt die Einrichtung dafür, dass sie hier unterstützt, aber zu nichts gezwungen wurde. Die Klinik, sagt sie, ist der letzte Ausweg, wenn man es gar nicht mehr schafft, aber im Gegensatz zur Klinik fühlte sie sich hier deutlich freier und nicht komplett überwacht.

Jeden Tag war ein Sozialpädagoge vor Ort, dem sie sich anvertrauen konnte. Es gab unzählige Therapieangebote und auch den Gruppenaktivitäten schloss sie sich gerne an. Zusätzlich unterstützte sie eine Ernährungsberaterin dabei, sich gesünder und ausgewogener zu ernähren.
Sie erzählt auch, dass manche der Bewohner im Anschluss an die WG-Zeit ins Betreute Einzelwohnen gezogen sind. Hier erhielten sie dann eine eigene Wohnung, in der ab und an einer der Sozialpädagogen nach dem Rechten sah. Dieses Angebot nahm Birgit zwar nicht in Anspruch, verlor dieses Mal aber trotzdem rund 10 Kilogramm innerhalb von sechs Monaten, ohne sich dabei vollkommen auf ihr Gewicht zu versteifen.

Ihr Fokus liegt heute nicht mehr auf dem Essen, obwohl sie auch nach ihrer WG-Zeit wieder etwas zugenommen hat. Die Heißhungerattacken treten nicht mehr auf, seitdem sie nicht mehr krampfhaft versucht, mit Radikaldiäten abzunehmen.
Eine gesunde Lebensweise ist ihr wichtiger. Sie will sich nichts mehr verbieten und empfiehlt das auch niemand anderem. Damit macht man sich selber fertig, sagt sie. Essen ist kein Feind und jeder darf essen, was er gerne möchte.

Sie empfindet es als sinnvoller, sich genau zu überlegen, was man kochen und wann man essen kann. Man erstellt sich einen Plan, versucht sich daran zu halten und erlernt so ein neues, gesundes Essverhalten.
Ein geregelter Alltag unterstützt sie auch dabei, regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
Viele kennen sicher auch Cheat Days, an denen man essen darf, was und wie viel man will. Davon hält sie gar nichts und sagt, dass man damit eigentlich nur seiner Sucht nachgeht, weil man sich in diesem Moment denkt, dass man das ja heute mal ausnahmsweise darf.

Mehr zu diesem Thema:

Binge Eating – Wenn Essen die innere Leere füllt – Teil 1

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Ihr Ziel ist es, dass das durch und durch diätische Denken weiter nachlässt und sie ein Gespür für eine gesunde Ernährungsweise entwickeln kann.
Sie beginnt, Gewohnheiten zu hinterfragen und die „schlechten“ umzustellen. Das Konzept von Weight Watchers unterstützt sie dabei. Ihr gefällt, dass das Konzept auf die Gesundheit ausgelegt ist und ihr hilft, Lebensmittel richtig einzuschätzen. Beispielsweise möchte sie lernen, wie viel Öl man beim Anbraten wirklich braucht, ohne dabei zu übertreiben oder ganz darauf verzichten zu müssen.

Sie achtet zwar noch auf ihr Gewicht, das ist bei Essstörungen unumgänglich, aber konzentriert sich nicht vordergründig darauf. Sie will keine Diäten mehr. Das macht sie unglücklich und sie fühlt sich damit nicht gesund.
Stattdessen achtet sie jetzt mehr auf sich und ihren Körper. Wenn sie viel Stress hat, reagiert sie darauf mit Essen. Das hat sie mittlerweile gelernt. Deswegen arbeitet sie jetzt nur noch in Teilzeit.

Gemeinsam mit ihrem Freund kocht und isst sie. Auch das unterstützt sie dabei, zu einer gesunden Lebensweise zurückzukehren.
Sie merkt, dass sich durch ihr Übergewicht ihre Haut verschlechtert, ihre Gelenke wehtun und sie Schwierigkeiten beim Treppensteigen und Atmen hat. Gerade beim Einschlafen überkommt sie manchmal das Gefühl zu ersticken, sie spürt einen Druck am Hals und rückt sich dann das Kissen so zurecht, dass ihr Kopf weiter nach hinten hängt und sie besser atmen kann.
Das kann Angst machen und man macht sich vielleicht auch Sorgen darum, dass das Herz irgendwann nicht mehr weiter schlägt.
Aber Birgit kämpft weiter. Sie macht zwar keine Therapie mehr, bekommt aber immer noch Antidepressiva, um stabil zu bleiben.

Sie geht jetzt in die Richtung, in der ihr ein erfülltes Leben gemeinsam mit ihrem Freund winkt. Und das ist doch die beste Motivation, oder?

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